Sep
16

Aardmans ‘Pirates’ – Interview mit Figurenbauerin Hanna Habermann

von Dietrich

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Die Figurenbauerin Hanna Habermann, die uns alle mit ihrem Können an unseren Projekten wie Astor Chang und den Hubba Bubba-Spots begeisterte, hat es bis Aardman Animations geschafft und erzählt uns ein wenig über ihre Arbeit.

Erzähl uns ein wenig über dich bzw. über dein Leben? Was hast du früher gemacht und was machst du zurzeit? Was hat dir dabei geholfen, die zu werden, die du bist?

Hanna Habermann: Zur Zeit baue ich am Hauptcharakter für Aardmans Projekt “Pirates” (Produktionsfotos) – dem Pirate Captain. Natürlich wird hier auch nur mit Wasser gekocht, aber auf sehr hohem Niveau. Ich bin gelernte Druckerin, habe dann als Grafiker, Beleuchter, Eventdesigner, Datawrangler und einiges anderes gearbeitet und Design studiert. Nach dem Studium wollte ich nicht in die Werbung und zum Künstler habe ich mich auch nicht berufen gefühlt. Ich fing in einem Stop-Motion Studio im Produktionsbüro an und habe dann in den Figurenbau gewechselt. Das war einerseits das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und andererseits war es offensichtlich, dass ich im Figurenbau meine Berufung gefunden hatte. In dem Feld kann bzw. muß ich mein gesamtes künstlerisches und technisches Knowhow anbringen, das ich über die Jahre gesammelt habe und die Umwege ergeben einen Sinn.

Ist eines der Filmprojekte, an denen du (mit-)gearbeitet hast, dir besonders in Erinnerung geblieben? Vielleicht weil du dich darin in irgendeiner Weise verwirklichen konntest oder du eine gewisse Rolle im Laufe der Produktion erfüllen durftest?

Hanna: Die kleineren Projekte sind immer sehr spannend, weil ich vom Design bis zur fertigen Puppe am Entstehungsprozess beteiligt bin. Das letzte Projekt war in Aarhus beim Studio wired fly (Blog), wo wir sieben Puppen in dreieinhalb Monaten gebaut haben. Als ich ankam, gab es ein paar angefangene design-sculpts und etwas Material von vorherigen Produktionen. Ich war überrascht, wie professionell wir in dem kleinen, jungen Studio arbeiten konnten. Ich hatte ein Figurenbau-Team von fünf Leuten und wir haben zwei animierbare Vögel mit echten Federn gebaut sowie fünf Puppen mit Fake-Porzellanköpfen und sehr fein genähten Kostümen.


Kannst du uns etwas zu deiner aktuellen Arbeit bei Aardman Animations sagen? Wie bist du zu deiner Aufgabe, den Hauptcharakter zu bauen, gekommen?

Hanna: Ich glaube, dass ich am Hauptcharakter baue war reiner Zufall. Sie haben einen Senior-Modelmaker gesucht und da dieser nun im “Pirate-Captain” Team gebraucht wurde, landete ich dort. Ich kam vergleichsweise spät in die Produktion, so waren die Formen und ersten Puppen schon gebaut. Aber neben den Kopien der Puppen für die immer zahlreicher werdenden Animatoren (ich glaube wir haben jetzt ca. 40), gab es auch einige Spezialanfertigungen zu bauen. Zum Beispiel für Polly, die kleine Begleiterin des Pirate Captain! Insgesamt hatten wir über 70 Modellbauer in der Puppenwerkstatt und ich habe noch nie mit so vielen hoch qualifizierten Puppentrickfilmern gearbeitet wie bei Aadman.

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Wie bist du beim Bau des Charakters vorgegangen? War es eine Herausforderung oder gab es besondere Schwierigkeiten?

Hanna: Der Pirate-Captain ist technisch sehr ausgetüftelt. So hat die Armatur einige Spezial-Gelenke und sie sieht dazu noch gut aus! Es hat mich viel mehr Zeit gekostet als ich dachte, die Einzelteile kennen zu lernen, und ich entdecke beim Zusammenbauen immer noch Teile, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte. Und wenn der Pirate Captain sein Kostüm wechselt, dann ist das eine komplett neue Puppe, die wir bauen. Die Puppe lässt sich sehr gut animieren, aber die echten Tücken kommen immer erst nach einigen Kilometern Animation zum Vorschein.

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Was für ein Gefühl ist es bei Aarman Animations arbeiten zu können? Gab es Ereignisse innerhalb des Studios und/oder mit deinen Arbeitskollegen, die du niemals vergessen wirst?

Hanna: Es ist WOW bei Aardman zu arbeiten! Im Allgemeinen eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und im Zweifelsfall gibt es immer eine Anlaufstelle, um Probleme los zu werden. Für mich ist es bisher die einzige Kino-Produktion, die nicht völlig drunter und drüber geht und nicht allen die letzte Energie raubt. Selbst langjährige Aardman-Leute sagen, es wäre die beste Produktion, in der sie je waren. Das Ereignis, das ich nie vergessen werde ist, als ich einen Zollstock auspackte und feststellen mußte, dass es soetwas in England nicht gibt und einige noch nie einen Zollstock gesehen hatten. “Wie bauen die denn hier Häuser?” habe ich mich gefragt.

Gibt es etwas, was du in all den Jahren als Puppen-/Figurenbauerin gelernt hast, dass du anderen Künstlern und Interessenten mit auf dem Weg geben möchtest?

Hanna: Es gibt so viele Wege, etwas zu bauen und sicher sind einige besser oder schlechter als andere. Oft lohnt es sich, die Ideen anderer anzuhören und gründlich abzuwägen, ob der eigene Weg wirklich der schlüssigste ist.


Solltet Ihr weitere Fragen an Hanna Habermann haben, so steht sie Euch in den Kommentaren zur Verfügung. Besucht auch Hannas Website.

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