Mai
13

Alexander Lindner – Werdegang eines erfolgreichen deutschen Visual Consultants (1/2)

von Dietrich

alexander-lindner Ich hoffe, Ihr habt noch nicht vergessen, dass bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ein deutscher animierter Kurzfilm nominiert war. Vor etwas mehr als zwei Monaten hatte ich darüber berichtet und in dem Zusammenhang ein Interview mit Alexander Lindner geführt, der die Matte Paintings für den Grüffelo angefertigt hatte. Für die Grüffelo-spezifischen Hintergründe lest folgenden Beitrag. Im Rahmen des Gesprächs erzählte Alexander mir viel über seine Person und seinen Werdegang. Manchmal ist es sehr interessant und für einige sicherlich hilfreich zu erfahren, wie andere in die Szene reingerutscht sind und welche Erfahrung sie über die Jahre sammeln konnten. Alexander Lindner gehört zu den besten Beispielen. Daher möchte ich es Euch nicht vorenthalten. Insbesondere weil bisher detaillierte Informationen zu seinem Werdegang in den weiten des Webs nicht zu finden waren.

Alexander Lindner ist 1967 in Koblenz geboren und somit in den 70-ger Jahren in Deutschland aufgewachsen. Sein Mutter stammt aus der Niederlande, sein Vater aus Deutschland. Er ist eher Quereinsteiger in der Animationsbranche. Eigentlich wollte er immer Comic-Zeichner werden, denn seine Kindheit war eher durch Comics wie Lieutenant Blueberry, Tim & Struppi, Gaston und ähnliche geprägt als durch Disney Zeichentrickfilme. In Deutschland war der Comicmarkt zu der Zeit sehr klein. Heutzutage ist der deutsche Comicmarkt zwar auch nicht groß, aber im Vergleich zu den 70-ger Jahren ist dieser merklich gewachsen. Zugang zu Comics konnte Alexander daher nur durch seine niederländische Familie erlangen. Nach seinem Zivildienst entschied er sich mit der Unterstützung seiner Eltern nach Brüssel zu fahren und an der bekannten und renommierten Comic-Akademie “Institut Saint-Luc” zu studieren.

“Ich durfte dann den bizarren und brotlosen Beruf des Comic-Zeichners ergreifen”, lacht Alexander.

1989 ist er in Brüssel ohne jegliche französisch Kenntnisse angekommen und verbrachte die ersten zwei Monate damit die Sprache zu lernen… quasi auf der Straße… Daraufhin ging es knallhart auf französisch mit dem Unterricht los. Drei Jahre studierte er in einem Umfeld, in dem Comics allgegenwärtig waren: in Cafés zeigen sich alle möglichen Gestalten ihre neusten gezeichneten Comics; man lernt zahlreiche Leute dieses Fachgebietes kennen; regelmäßig finden diverse Veranstaltungen und Ausstellungen statt etc.

tobias-totz-cartoon-film-plakat Zu dem Zeitpunkt stand es für ihn fest, er will nie wieder zurück in die Wüste der Comics. Damals (wie heute) hat er viele Filme gesehen und war – trotz seiner großen Liebe: dem Comic – fasziniert vom Medium Film. Ende der 90-ger stattete er einem Freund in Berlin einen Besuch ab und warf naiv einen Blick ins Telefonbuch. Ganz oben unter ‘C’ stand Cartoon-Film. Er rief an und fragte, ob er vorbeikommen könne und seine Mappe zeigen dürfe. Er durfte und wurde sofort eingestellt. Zu dem Zeitpunkt hatte Thilo Rothkirch gerade seinen neusten Kinofilm “Tobias Totz und sein Löwe” (1999) fertig gestellt und fragte Alexander, ob er ein Filmplakat zeichnen könne. Gesagt, getan! Obwohl er den Film noch gar nicht gesehen hatte, entwarf er innerhalb von drei Tage drei Plakate, von denen eines tatsächlich auch für den Film verwendet wurde. Skurril ging es auch weiter. 1999 fing die Produktion an “Der kleine Eisbär” an und Thilo meinte zu Alexander, dass er einen Regisseur in Brüssel habe und ob er nicht dahin fahren könne…

Alexander: “Ja, ich komme gerade aus Brüssel.”
Thilo: “Kannst du ihn überzeugen an “Der kleine Eisbär” Regie zu führen?”, meinte er sinngemäß.

Schon machte sich Alexander auf den Weg zurück nach Brüssel und musste dort feststellen, dass der Regisseur Piet De Rycker sein Studio nur zwei Häuser weiter hatte von dem Café, in dem Alexander zehn Jahre lang seine Abende verbracht hatte. Bei “Der kleine Eisbär” hat er die Layout Leitung übernommen und seither zehn Jahre für Cartoon-Film zahlreiche Aufgaben wie Art Direction, Layout, Skript, Concept Design, Storyboard etc. erfüllt.


Demnächst kommt der zweite Teil zu Alexander Lindners Werdegang.

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