Mai
16

Alexander Lindner – Werdegang eines erfolgreichen deutschen Visual Consultants (2/2)

von Dietrich

Dies ist der zweite Teil zu Alexander Lindners Werdegang. Für den ersten Teil, siehe hier!


totoro-mein-nachbar

2002 kam – neben vielen anderen Animes – die Welle Miyazaki rüber nach Deutschland. Alexander kannte einige Ghiblis bereits vorher… über Freunde, die sich einige Filme importiert hatten. Insbesondere Totoro hat es ihm angetan. Nach langem hin und her hat sich Alexander auch zusammen mit Thilo “Mein Nachbar Totoro” angesehen und meinte zu ihm:

“Diese Art und Weise eine Geschichte zu erzählen ist sehr poetisch. Es fängt an zu Regnen und nichts passiert. Das muss in ‘Lauras Stern’ rein. Diese Art von Poesie”

An “Lauras Stern” (2004) hat Alexander am Skript gearbeitet, war als Art Director beschäftigt und hat auch sonst in vielen Bereichen ausgeholfen. Er hat es sogar geschafft einen Animator vom Studio Ghibli mit ins Boot zu holen. Der Franzose David Encinas war zu dem Zeitpunkt der einzige Westler, der beim Studio Ghibli gearbeitet hat. Er hat als Inbetween und Clean-up Artist bei Animes mitgewirkt wie “Prinzessin Mononoke” (Ghibli), “Meine Nachbarn die Yamadas” (Ghibli), “Jin-Roh” und hat sich mit seiner Kenntnis bereit erklärt an “Lauras Stern” (2004) zu arbeiten. In der Konzeptionsphase konnte David bei vielen Dingen aushelfen: Wie sollen die Schatten aussehen, typische Animations-Charakteristika etc.
Nach dem überaus großen Erfolg von “Lauras Stern” war Alexander weiterhin bei Cartoon-Film beschäftigt und hat an Filmen wie “Der kleine Eisbär 2” (2005) und “Kleiner Dodo” (2008) gearbeitet.

lauras_stern_2_livingdesign_3d Ein weiterer Meilenstein seiner Karriere war “Lauras Stern in China”, das später zu “Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian” umbenannt wurde. Er sollte weiterhin Art Direction führen und hat allein am Design des Filmes zwei Jahre lang gearbeitet (besucht seinen Blog für mehr Designs und Concept Art). Der Anspruch war riesen hoch. Zudem wollte man neue Märkte erobern und Alexander war fest davon überzeugt:

“Wenn wir beim chinesischen/asiatischen Markt ankommen wollen, dann müssen wir ganz großen Respekt gegenüber der chinesischen Kultur zeigen.”

Man dürfe nicht in die Falle tappen wie Disney und DreamWorks mit “Mulan” (1998) bzw. “Kung Fu Panda” (2008), indem man ein amerikanisiertes Fantasy-China zeige. Alexander hat noch heute eine 1-TB Festplatte mit zahlreichen Dokumentationen und Fotos, die das Team allein für diesen Film anfertigte. Alles sollte korrekt sein, selbst Schriftzeichen sowie Schriftart an Straßenschildern und anderen Orten. In Deutschland hat es sowas noch nie gegeben. So ein Anspruch an eine fremde Kultur für einen Zeichentrickfilm.

lauras-stern-geheimnisvolle-drache-nian-poster Leider war der zweite Teil für Laura kein großer Publikumserfolg und auch bei vielen Kritikern – nicht bei allen – ist der Film nicht besonders gut angekommen. Dies hatte komplizierte Gründe: In den Wochen der Veröffentlichung wurde zum einem wenig Werbung gemacht; schönes Wetter; die Bundestagswahlen standen an; und zudem wurde auch Pixars CGI-Film “Oben” (2009) veröffentlicht. Der Einsatz von allen Beteiligten am zweiten Teil von “Lauras Stern” war gigantisch. Leider wurde es zu wenig gewürdigt.

2009 endete vorerst sein Arbeitsverhältnis bei Cartoon-Film. Er entschied sich neues Terrain zu betreten und lernte Matte Painting. Mehr dazu kann man hier nachlesen. Heutzutage lebt und arbeitet er in Paris. Er vertritt die Meinung, dass so manche Trickfilm von vorn herein zum Scheitern verurteilt waren. Dazu gehören Filme, die sich stark an Disney orientierten bzw. Filme, die versuchten den klassischen Disney-Stil nachzuahmen. Er findet es sehr schade, dass man in Deutschland es bislang noch nicht geschafft hat unser deutsches Kulturerbe in Trickfilmen für Kinder umzusetzen. Damit meint er nicht Geschichten wie “Emil und die Detektive” oder “Das doppelte Lottchen”, das schon ein Dutzend Mal umgesetzt wurde, sondern eher Geschichten von Personen wie Hermann Hesse, Goethe oder die deutschen Sagen wie “Die Nibelungen”. “Die Japaner sind viel mutiger als wir und wir könnten es auch sein”. Und nicht nur die Japaner, auch die Franzosen schaffen es. “Warum machen die es und nicht wir”, spekuliert Alexander. Wie müssen aufhören Trickfilm als seichte Unterhaltung für Kinder zu sehen. Animation kann auch seriöse und historische Themen behandeln. Themen, die uns berühren oder das menschliche Leiden zeigen! “Wenn wir das machen, dann schallt es wie ein GONG,” erwidert Alexander Lindner.

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