Jun
08

animation-school-hamburg – Tipps vom Projektleiter Manfred Behn (2/2)

von Dietrich

Dies ist der zweite Teil der ASH-Vorstellung bzw. des Interviews mit Manfred Behn. Siehe hier für den ersten Teil.


Der Bereich “Digital Animation” bzw. die Arbeit am Grafiktablett wird immer wichtiger. Vor allem da man fast das gleiche Ergebnis effektiver und somit schneller erreichen kann. Zu Anfang hatte Behn bedenken, da der Charme des Trickfilms verloren gehen könne. “Da war ich auch erst einmal ein wenig skeptisch und dachte, der ‘Look’ wäre in dem Fall ganz anders. Experten würden den Unterschied erkennen, aber ein Laie sieht kaum einen Unterschied. Doch selbst Experten sehen Unterschiede weniger, je besser die Beherrschung der Software ist”, meint Behn.

animation-school-hamburg-manfred

Anfang der 90-ger Jahre sind viele Animationsstudios im deutschen Raum entstanden. Seitdem wird kontinuierlich mehr animiert. Allerdings – wie auch in vielen anderen westlichen Ländern – wird immer mehr Arbeit nach Asien verlagert. Der Beruf des Zwischenzeichners ist in Deutschland mehr oder weniger ausgestorben und auch im 3D/CGI-Segment werden ähnliche arbeitsintensiven Berufe ins Ausland verlagert. In den letzten 5-6 Jahren gab es keinen abendfüllenden Animationsfilm, der ausschließlich in Deutschland produziert wurde. Da sich viele Institutionen in Deutschland auf Zeichentrick spezialisiert hatten, hatte 3D/CGI zudem viele Anlaufschwierigkeiten. Die wohl typischste Frage – die im Rahmen von Interviews an Manfred Behn gestellt wird – ist, ob deutsche Animationsfilme jemals das Niveau eines ‘Ratatouille’ (Pixar) oder ähnlichen Hollywood-Produktionen erreichen können. Behn ist da eher skeptisch, weil die finanziellen Möglichkeiten hierzulande begrenzt bleiben – an Talent fehlt es auf jeden Fall nicht. Insbesondere 3D/CGI wird immer mehr nachgefragt. Denn Spezialisten dieser Bereiche können nicht nur bei der Produktion von Animationsfilmen mitwirken, sondern haben des Weiteren Berufsperspektiven im Game-Segment. Auch in der Produktion von Games wird ein filmisches Verständnis sowie Animation benötigt.

Viele deutsche Animationsfilme sind insbesondere auf den deutschen Markt zugeschnitten und weniger tauglich für das internationale Publikum. Zudem haben Erwachsenenformate es schwer in Deutschland. Kinderformate wie “Lauras Stern” oder “Der kleine Eisbär” sind dagegen Selbstgänger. Für Kinder oder Familienfilme gibt immer eine permanente Gemeinde bzw. eine Zielgruppe, die gepflegt werden will. “Ich würde mir wünschen, dass Originär-Stoffe für Trickfilme entwickelt werden. In den USA und Japan machen sie es,” hofft Behn. In Deutschland hat es bisher fast nur Produktionen gegeben, die entweder auf Comics oder Kinderbüchern basieren. Filme wie “Felidae” sind interessant. Der Animationsfilm von 1994 basiert zwar auch auf einem Buch, allerdings ist das Design eine komplette Eigenkreation. Leider war dieser Film an den deutschen Kinokassen nicht besonders erfolgreich und viele Studios haben die Produktion von Erwachsenenformaten wie Felidae als ‘zu riskant’ eingestuft. “Ich halte diese Konsequenz für nicht richtig, weil ich mir tausende Stoffe vorstellen könnte, die erst recht für Trickfilme geeignet wären”, argumentiert er. Man muss immer eine Probe machen. Kann man die Geschichte auch als Realfilm realisieren oder ist es nur als Animationsfilm möglich? Vor allem Tiergeschichten sind geeignet um animiert zu werden. “Ich finde, man müsste den riesigen Aufwand für Animation nicht betreiben, wenn man das gleiche Ergebnis auch mit einem Realfilm erreichen könnte”, fügt er hinzu.

Kursteilnehmer an der animation-school-hamburg sind auf der einen Seite berufserfahrene Experten eines ähnlichen Fachgebietes (Grafik Design, Illustration, Kommunikationsdesign) und auf der anderen Seite immer häufiger direkte Schulabgänger. “Beide Gruppen waren für uns immer gleich bedeutsam und nicht immer haben diejenigen mit beruflicher Vorerfahrung auch die besten Karrieren gehabt”, beteuert Behn. Er empfiehlt den Absolventen der ASH, das sich diese auf ihre Stärken konzentrieren und diese fördern. Es muss nicht jeder ein Animator werden. Zum Beispiel kann man auch als Illustrator beim Animationsfilm arbeiten. Doch die eigentlichen Animatoren sollten ein überdurchschnittliches Talent aufweisen, da – wie bereits erwähnt – große Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Als Animator in Deutschland hat man nur in Rahmen von Trailern, Probesequenzen oder Werbefilmen die Möglichkeit Szenen vollständig zu animieren. Im Übrigen wird Manfred Behn vermehrt von Studios angesprochen, ob er nicht einen Kurs zu Produktionsleitung anbieten könne. Es ist besonders schwer Talente zu finden, die sowohl künstlerisches Verständnis als auch wirtschaftlich-organisatorische Kenntnisse mitbringen. Alles in allem besteht Bedarf nach Experten bzw. Leuten, die sehr gute Kenntnisse in ihrem jeweiligen Fachgebiet wie Storytelling, Character Design, Background, Storyboard etc. besitzen. Die animation-school-hamburg bietet Qualifizierungen in diesen Bereichen und fördert insbesondere selbstständige Projektentwicklung. Carolin Reich hat im Abschlussjahr 2011 sogar einen Comic realisiert.

Verwandte Artikel

|