Feb
15

“Eine Liebeserklärung an den Regen”- Saschka Unseld gibt Einblick in die Produktion von “The Blue Umbrella”

von Lorraine
blumbrella

Anlässlich der Ausstellung “PIXAR. 25 Years of Animation” im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, gab es gestern einen ausführlichen Vortrag von Saschka Unseld, dem Regisseur des neusten Pixar Kurzfilm “The Blue Umbrella”.

Einen Tag zuvor feierte der Kurzfilm seine Weltpremiere bei der Berlinale. Wer gestern bei dem Vortrag war, hatte also einen fast exklusiven ersten Blick auf den Film, der im Sommer zusammen mit “Monsters University” im Kino zu sehen sein wird. Gezeigt wurde der Film zweimal. Zunächst zu Beginn, darauf folgte dann der Vortrag vom Regisseur und nach den ganzen neuen Informationen, die einem zugeworfen wurden, konnte man den Film dann noch ein zweites Mal mit einem anderen Blick genießen.

Für Pixar-Fans war der Vortrag wirklich etwas ganz Besonderes. Man bekam einen sehr persönlichen Eindruck davon, wie die Kurzfilm-Produktion bei Pixar abläuft. Der in Hamburg aufgewachsene Regisseur erzählte, wie ihm die erste Idee kam, wie lange es gedauert hat bis er die Idee gepitcht hat und wie lang und vorallem wie der Film dann gemacht wurde.

Die erste Idee kam Saschka Unseld schon lange Zeit zuvor, nämlich beim Spazieren durch San Francisco als er einen alten, kaputten Regenschirm auf der Straße entdeckte. Das Foto, das er daraufhin von dem traurigen Regenschirm machte wurde uns auch gezeigt. Es verging Zeit, aber die Idee etwas mit Regenschirmen zu machen kam wieder auf und der Regisseur animierte eine kleine Sequenz mit Regenschirmen und wie diese von selbst fliegen.

Als der Regisseur später entschied, dass er eine Kurzfilm-Idee pitchen möchte kam er wieder auf die Regenschirme zurück. Den Zuhörern erklärte er, dass es bei Pixar so abläuft, dass wenn man einen Kurzfilm machen möchte, müsse man immer 3 Ideen pitchen. Beim Vorbereiten merkte er, dass von seinen ursprünglichen 4 Ideen, die er hatte 2 nicht zu gebrauchen waren. Es fehlte ihm also eine weitere Idee. Und so kam er dann auf seine Regenschirme zurück. Saschka Unseld überlegte sich also eine Story mit Regenschirmen. Eine Liebeserklärung an den Regen sollte es werden, denn er beschreibt, dass Regen in einer Stadt etwas Magisches an sich hat. Zudem erinnere es ihn an seine Heimat Hamburg. Für seinen Pitch erarbeitete er dann die Geschichte von einem blauen Regenschrim, der sich in einen roten verliebt.

Letztendlich bekam seine Regenschirm Idee grünes Licht. Bis die Produktion an sich begann, verging jedoch noch mehr Zeit. Der Regisseur erklärte, dass die eigentliche Produktion eines Kurzfilms bei Pixar zwischen zwei Spielfilmproduktionen stattfindet. Also musste er warten bis seine Arbeit und die seiner Kollegen für ”The Blue Umbrella” bei “Brave” fertig war. Zwischen 50 und 100 Leute haben dann die Zeit bis zur Produktion von “Monsters University” genutzt, um den Kurzfilm zu machen.

Nun erzählte Saschka Unseld ganz genau was noch an der Story erarbeitet wurde und wie der visuelle Look festgelegt wurde. Er erzählte, warum einige Ideen gestrichen werden mussten, wie spezielle Momente besser hervorgehoben wurden und welche Momente erst beim Animieren dazu kamen. Ganz Besonders war der Einblick in einen kleinen (Real-)Film, den er zusammen mit Kollegen in den Pixar-Studios drehte. Man konnte sehen wie sie einige Szenen aus dem Film selber nachspielten, z.B. wenn der Wind einem den Schirm fast aus den Händen reißt oder wenn man von entgegen kommenden Passanten (bzw. Regenschirmen) zur Seite gedrängt wird. Es wurde deutlich sichtbar wie viel Spaß bei der Produktion mit dabei war.

Zum visuellen Look muss man sagen, dass es einen ganz unglaublichen Photorealismus bietet. Bis jemand im Publikum die Frage stellte, ob reale Filmsequenzen verwendet wurden und der Regisseur dies verneinte, hatte ich den Eindruck, dass es alles echt war. Die Bilder von der Stadt, die gezeigt wurden, sahen wie der Realität entnommen aus. Ampeln, Straßenlaternen, Häuserfassaden und Autos. Abgesehen von den Gesichtern der Regenschirme war es schwer zu glauben, dass das was einem gezeigt wurde alles mit dem Computer erstellt wurde.

Was der Regisseur Saschka Unseld auf jeden Fall geschafft hat, ist, dass man das Magische im Regen und was es für einen Einfluss auf das Stadtbild hat wahrnimmt. Er hat einen Kurzfilm geschaffen, der mit seinen Bildern besticht und eine ganz liebenswerte Geschichte erzählt. Seinen Zuhörern sagte er noch, dass immer wenn man eine Idee hat, selbst wenn man noch keine Ahnung hat wofür die eigentlich zu gebrauchen sein könnte, solle man sich trotzdem daran versuchen und damit rumspielen. Schließlich weiß man nie, wozu das später noch gut sein könnte.

Bis der Film zusammen mit “Monsters University” im Kino zu sehen sein wird, muss man sich erstmal mit dieser leider viel zu kurzen Sequenz zufrieden geben. Aber wenn man ihn dann sehen kann, wird es trotzdem noch einige Überraschungen geben, die zeigen, wie magisch Regen in einer Stadt sein kann.

 

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