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Hamburg Animation Award 2011

von Dietrich

violett-hamburg-animation-award Am 23. Juni 2011 fand im Hamburger Schmidts Tivoli Theater die Verleihung des Hamburg Animation Awards statt. Dies ist ein internationaler Filmpreis, der auf Initiative der Handelskammer Hamburg und der animation-school-hamburg (siehe auch das Interview mit dem Projektleiter Manfred Behn: Teil 1 | Teil 2) gegründet wurde und mittlerweile zum achten Mal an den internationalen Nachwuchs im Bereich Animation verliehen wurde.

Der Wettbewerb richtet sich an Studenten, Absolventen und ehemaligen Absolventen (bis zu drei Jahre nach Studienabschluss) von Filmschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Es sind Animationsfilme jeglicher Art (Zeichentrick, Stop Motion, CGI) mit einer Laufzeit bis 15 Minuten zugelassen. Jährlich wird auch ein Länderpreis verliehen um den Nachwuchs des entsprechenden ausgewählten Landes zu unterstützen. Dieses Jahr wurde der Trickfilmnachwuchs aus China gefördert. Es wurden Preisgelder von insgesamt 13.000 Euro von einer hochkarätigen Jury unter dem Vorsitz von Disney Character Designer Harald Siepermann vergeben.

Laut dem Veranstalter wurden dieses Jahr mehr als 140 Filme aus Ländern wie Dänemark, Neuseeland, Kanada, China und Deutschland eingereicht – davon über 70 aus China. Am Abend wurden zehn Filme vorgeführt. Die Jury zeichnete Filme in den Kategorien ‘Innovative Design Award’ (innovativer Stil, ungewöhnliche Idee, hochwertiges Design), ‘Länderpreis China’ und dem Hauptpreis – dem ‘Hamburg Animation Award’ (bester Kurzfilm) – aus. Zudem gab es einen Zuschauerpreis. Der Hauptpreis wurde von Rodolphe Guenoden (DreamWorks animation supervisor von Kung Fu Panda 1 und 2) verliehen. Es waren alles sehr schöne Filme. Im Anschluss meinte der Juryvorsitzende Harald Siepermann, dass die Qualität der Filme über die Jahre deutlich gestiegen sei. Studentenfilme brauchen sich qualitativ gesehen nicht vor professionellen Produktionen zu verstecken. Die folgenden Filme wurden vorgeführt und entsprechend mit den Preisen gekürt:

Hamburg Animation Award (5.000 EUR)

thumb-haa-besuch ‘Der Besuch’ von Conrad Tambour (Ludwigsburg, Deutschland)
Eine ältere Frau kommt mit dem Herd nicht zurecht und ruft ihren Sohn mit der Bitte, diesen abzuschalten. Mitten in der Nacht bereitet sie ein Essen vor für den Besuch ihrer längst verstorbenen Freunde. Animationstechnisch ist hier zwar alles wundervoll auf höherem Niveau hergestellt. Aber dies ist ein perfektes Beispiel für einen Animationsfilm, der zeigt, dass es nicht um Animation geht. Das zwischenmenschliche – und ein wenig traurige sowie liebevolle – Verhältnis der Charaktere sowie die Story stehen im Vordergrund. Animation ist nur das Medium.

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Innovative Design Award (3.000 EUR)

thumb-haa-backwater ‘The Backwater Gospel’ von Bo Mathorne (Viborg, Dänemark)
Über diesen Film habe ich schon vor mehreren Monaten im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der diesjährigen ‘The Animation Workshop’-Abschlussfilme (Viborg, Dänemark) berichtet. The Undertaker terrorisiert mit seiner Anwesenheit die Einwohner einer kleinen Stadt bis an den Rand der Verzweiflung (und darüber hinaus). Optisch ist der Film einzigartig, doch sollte man den Film nur mit Vorsicht genießen. Bei der Vorführung wurden Kinder sowie Menschen mit schwachem Herzen aus dem Saal gebeten.


Länderpreis China (je 2.000 EUR)

thumb-haa-gedanke-august thumb-haa-holytree ‘Ein Gedanke im August’ (Shanghai, Volksrepublik China) und
‘The Holy Tree’ (Xi’an, Volksrepublik China)

 

Beide Filme sind auf optischer Ebene sehr schön gemacht und können durch eine simpel gestrickte Story glänzen. Meine Glückwünsche an die Sieger.


Zuschauerpreis (1.000 EUR)

thumb-haa-flamingo ‘Flamingo Pride’ von Tomer Eshed (Potsdam, Deutschland)
Man hätte diesen Film auch ‘Flamingo Parade’ nennen können. Wir kennen Flamingos aus Tierdokumentationen als pinke vogelartige Wesen mit langen Beinen und langem Hals, die sich manchmal in riesigen Gruppen an Stränden tummeln. Doch was keiner weiß. Diese Ansammlungen sind groß angelegte und riesige Parties mit lauter Musik und viel Spass. Schon vor einigen Jahre hat uns Tomer Eshed mit seinem mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm ‘Our Wonderful Nature‘ einen Blick in die Natur gewährt und einen Hit gelandet. ‘Flamingo Pride’ könnte ebenso ein Erfolg werden.


Weitere vorgeführte Filme

thumb-haa-mobile ‘Mobile’ von Verena Fels (Ludwigsburg, Deutschland)
Dieser Film ist wohl nach dem ‘Was wäre, wenn…?’-Prinzip entstanden. Den Begriff Mobile kennen wir in der Regel im Zusammenhang mit Kinderspielzeug, das manchmal über Kinderbetten gehängt wird und sich  schon durch leichte Stöße bewegt. Was wäre, wenn lustig aussehende und bunte Tiere ausbalanciert an so einem Mobile hängen würden. Ergebnis: Es kann sehr lustig werden! Nach dem positiven Beifall im Festsaal war ich mir ziemlich sicher, dass dieser Film den Zuschauerpreis gewinnen würde. Verdient hätte dieser den Preis genauso wie ‘Flamingo Pride’.

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thumb-haa-tub ‘Das Tub’ von Rupert Ashton (Auckland, Neuseeland)
Dies ist ein Film – vermutlich in Anlehnung an Wolfgang Petersens
‘Das Boot’ -, der in relativ geringem Maße animiert ist. Mir persönlich ist es ziemlich egal, ob es ein Animations- oder ein Realfilm ist. Hauptsache der Film unterhält und das tut Rupert Ashtons Kurzfilm. Er kombiniert auf wundervoller Weise Tragik und Komödie. Aber dennoch darf man nicht vergessen: Bei dieser Preisverleihung ging es um einen Award im Bereich Animation.

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thumb-haa-bjorn ‘The Saga of Bjorn’ (Viborg, Dänemark)
So wie ‘The Backwater Gospel’  ist dies ebenfalls ein Film von den genialen Leuten aus Dänemark. Das Valhalla ist der Ruheort aller gefallenen Kämpfer, die ihre Tapferkeit bewiesen haben. Damit steht der Wikinger Bjorn vor seiner letzten Prüfung, um ins Paradies zu gelangen. Doch diese letzte Aufgabe scheint schwerer zu sein als ursprünglich gedacht. Toller Charaktere und eine wundervolle Umsetzung! Viel Spass!

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thumb-haa-war ‘Natural War’ (Xi’an, Volksrepublik China)
Stilistisch sehr einfach, aber dennoch interessant, gezeichnet,zeigt dieser Film Einblicke in den Krieg zwischen zwei Personen.

 


thumb-haa-peter ‘Der präzise Peter’ von Martin Schmidt (Kassel, Deutschland)
Der Titel sagt schon einiges aus. Es geht um einen Mann namens Peter, der alles sehr präzise nimmt. Doch sein jüngster Sohn tanzt wieder mal aus der Reihe. Der Kleine gibt sein Bestes, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der Film ist ebenfalls auf optischer Ebene sehr einfach und vor allem präzise gezeichnet! Wundervoll sind auch die Stimmen, Töne sowie Geräusche im Film. Sehr witzig und empfehlenswert!

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