Mai
25

Interview mit Set-Designerin und Trickfilmerin Sana Schönle

von Dietrich

sana-schoenle-trikk17-set-design Erzähl uns ein wenig über dich bzw. über dein Leben? Was hast du früher gemacht und was machst du zurzeit? Was hat dir dabei geholfen, die zu werden, die du bist?

Sana: Ich habe an der Kunsthochschule Kassel Kommunikationsdesign studiert. Von Anfang an war mir klar, dass ich in die Trickfilmklasse möchte. Mit zwei Freundinnen habe ich den ersten Puppentrickfilm realisiert. Damals galt an der Kasseler Kunsthochschule: Lerne von den Älteren! Der Professor war selten da, daher gab es in unserer Klasse einen engen Zusammenhalt und wenig Konkurrenz. Später unter Prof. T. Meyer-Hermann und Prof. A. Hykade hatten wir regelmäßigen Unterricht.
Dennoch war diese erste Zeit sehr spannend. Wir haben uns vieles selbst beigebracht und eigene Lösungen für Probleme gefunden. Unser selbstständiges Arbeiten war bestimmt nicht effektiv, aber dafür sehr kreativ. Die Effektivität kam später hinzu. Ich habe mein Studium immer wieder unterbrochen um an verschiedenen Stopptrick Projekten zu arbeiten und mein Wissen, insbesondere im Bereich Set- und Modellbau, zu erweitern.Vielleicht ist es genau das, was meine Tätigkeit als Setbauer und Trickfilmer auszeichnet. Ich habe gelernt: Es gibt immer einen Weg bzw. eine Lösung. Man muss nur um die Ecke denken können und alles nutzen, was einem zur Verfügung steht.

Für welche Aufgaben warst du beim letzten TRIKK17 Projekt zuständig? Wie hat dir die Arbeit bei TRIKK17 gefallen?

Sana: Ich durfte für TRIKK17 mit der Hilfe von Brigitte Wittenburg und Anna Nuic die Sets für “Rosalie und Trüffel“ bauen. Für den Film wurden eine kleine Titanic (mit Meer und Eisbergen), ein ca 2 Meter langer Ausschnitt der Reling und ein animierbares Heck gebraucht.

Ich habe schon bei vielen Stop Motion Projekten mitgearbeitet und immer fielen Sätze wie:
• “Wir brauchen die Qualität von „Wallace and Gromit“. Es darf aber nur ein Viertel davon kosten.”
• “Dieser Baum ist gut. Wir haben gerade festgestellt, dass wir bis morgen noch weitere fünf davon brauchen.”

Ich hatte mich schon daran gewöhnt. Umso überraschender fand ich, dass bei TRIKK17 von Anfang an klar war, was wir brauchen, wofür und wie es auszusehen hat. Jeder half jedem und am Ende waren alle mit dem Ergebnis zufrieden. Vielleicht lag es an der Kürze des Projekts. Aber ich denke, die Professionalität mit der das TRIKK17-Team arbeitet, liegt vor allem daran, dass sie schon sehr lange in dieser Konstellation zusammen arbeiten. Jeder kennt des anderen Fähigkeiten, jeder schätzt sich realistisch ein und vor allem respektiert jeder die Arbeit des anderen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt bei diesem Projekt und bei TRIKK17 und hoffe stark, dass “Rosalie und Trüffel” in Serie geht.

Aus welchen Gründen bist du in der Trickfilm-Branche tätig geworden? Gab es spezielle Schlüsselereignisse in deinem Leben? Wolltest du das vielleicht schon als Kind immer mal werden?

Sana: Natürlich habe ich, wie jedes Kind, Trickfilme geliebt: Die Disney Filme mit ihren märchenhaften Welten, die Knetmännchen von “Luzie der Schrecken der Strasse”, “Barbapapa” oder auch seltene Entdeckungen wie “Chlorofilla” (eine italienische Kinderserie). Dass Trickfilm nicht nur eine Tür in eine wunderbare Welt ist, sondern auch Kunst sein kann, habe ich entdeckt als ich das erste Mal “Yellow Submarine” von George Dunning gesehen habe. Die schräge Welt der Zeichentrickfiguren, der “blue meanies”, die Kraft der Farben in der Rotoskopie-Sequenz “Lucy in the sky with diamonds” und die wundersame Melancholie der Collagen-Technik in der Sequenz “Eleanor Rigby”. Nachdem ich den Film gesehen habe, gab es für mich keine Wahl mehr. Ich musste es lernen. Ich musste herausfinden, wie ich solche Bilder entstehen lassen kann.

Wer sind deine Lieblings-Künstler der Branche?

Sana: Ich hatte die Ehre Garri Bardin, einen russischen Trickfilmregisseur, bei einer Vortragsreihe an der KH-Kassel kennen zu lernen. Bei den Ausführungen zu seinen Arbeiten war ich besonders von seinem Mut und seiner Leidenschaft beeindruckt mit der er an die Umsetzung seiner Geschichten geht. Ich kann mich an einen Satz noch besonders gut erinnern:

“Bevor ich nicht jeden einzelnen meines Filmstabs von der Geschichte überzeugt habe, beginne ich nicht mit der Arbeit.”

Filmemacher scheitern oft an finanziellen, gesellschaftlichen oder politischen Gegebenheiten. Garri Bardin geht über all diese Hürden mit einer unerschütterlichen Liebe zum Film und vor allem mit viel Humor.

Gibt es etwas, was du gelernt hast, dass du anderen Künstlern bzw. speziell Set-Designern und/oder Interessenten der Branche mit auf dem Weg geben möchtest?

Sana: Es ist nicht immer leicht mit der “Trickfilmerei”. Viele Menschen denken, dass es einfach nur toll ist, so kreativ sein zu dürfen, und dass es immer Spaß machen muss und ‘was für ein Glück wir doch haben’. Und es stimmt! Ich habe sehr viel Glück, es machen zu dürfen. Doch manchmal will mich der Mut verlassen: wenn es mal wieder keinen neuen Auftrag gibt, wenn eine Absage von der Filmförderung kommt oder auch wenn ich sehe, wie schwer sich meine Kollegen tun. Manchmal erwische ich mich, dass ich von einem netten Angestelltenverhältnis träume mit Sicherheit für die Zukunft. Doch dann kommt wieder ein Auftrag oder eine neue Filmidee und alles andere ist vergessen. Wer sich entscheidet diesen Weg einzuschlagen, der muss sich bewusst sein, dass er/sie viel Geduld braucht, viel Mut und jede Menge Optimismus.
Vielleicht ist auch ein Plan B ratsam. Aber ehrlich gesagt, den hab ich auch nicht.


Mehr über Sana Schönle und ihre Arbeit könnt Ihr auf ihrer Website erfahren.

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