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Filmkritik: Winnie Puuh (2011) – Kleine Bär von geringem Verstand (1/2)

von Dietrich

Als langjähriger Puuh-Fan hat es mich umso mehr gefreut als die Produktion eines weiteren „Winnie Puuh“-Kinofilms angekündigt wurde. Die Walt Disney Animation Studios präsentieren hiermit den ersten Kinoauftritt von Winnie Puuh seit 1977. Damals wurden die ersten drei Kurzfilme zu einem abendfüllenden Kinofilm zusammengeschnitten. Das Regieduo Stephen Anderson und Don Hall inszenierten das neue Abenteuer, um Kindern heutiger Zeit den kleinen Bären von geringem Verstand näher zu bringen. Der Kinostart ist für den 14. April 2011 vorgesehen. Sowohl Anderson als auch Hall haben bereits seit vielen Jahren Erfahrung in dem Medium gesammelt. Stephen Anderson führte Regie bei „Triff die Robinsons“ (2007) und hat als Mitglied der Storyabteilung bei Filmen wie „Ein Königreich für ein Lama“ (2000) und „Bärenbrüder“ (2003) mitgewirkt. Don Hall arbeitet schon seit 1995 bei Walt Disney Animation Studios. Angefangen hat er als Story-Trainee und hat sich hoch gearbeitet bis er zuletzt die Storyentwicklung bei „Küss den Frosch“ (2009) leitete.

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Geboren ist Winnie Puuh 1926 als  A. A. Milne die ersten Geschichten über ihn schrieb. Doch Laufen gelernt hat Puuh erst 1966 bei den Disney Studios. Nach den wenigen produzierten Kurzfilmen startete Disney 1988 mit der Produktion einer TV-Serie. Der Erfolg der Serie führte zur Entwicklung zahlreicher Direct-To-Video- und TV-Filmen. Eine 87 Folgen umfassende Serie wie von 1988-1991 habe ich leider noch nicht vollständig gesehen. Aber die darauf folgenden Filme habe ich nur all zu gerne gesehen. Besonders hervorheben möchte ich dabei den DTV-Film „Winnie Puuh auf großer Reise“ von 1997. Winnie Puuhs neues Kinoabenteuer und der Film von 1997 basieren nämlich auf der gleichen Idee. Das Verschwinden von Christopher Robin, die Missinterpretation von Eule und die darauffolgende Suche nach dem Jungen. Die eigentliche Umsetzungen sowie die Storydetails weichen allerdings in beiden Fällen erheblich voneinander ab.

Puuh erwacht völlig ausgehungert in seinem Häuschen im Hundertmorgenwald und muss feststellen, dass ihm sein Honig ausgegangen ist. Schnell macht er sich auf die Suche nach Honig, doch wird er abgelenkt durch einen Wettbewerb bei dem es um die Suche nach einem Schwanz für I-Aah geht. Daraufhin entdeckt Puuh eine geheimnisvolle Nachricht von bzw. um Christopher Robin. Als Eule die Nachricht falsch interpretiert, steht für alle fest. Christopher Robin wurde vom grauenvollsten aller grauenvollen Monster entführt: Dem Balzrück!

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Grundsätzlich war Puuhs neues Abenteuer sehr unterhaltsam. Der Anfang lief ein wenig schleppend, da manche Gags nicht funktioniert haben und mich dacher nur müde zum Lächeln gebracht haben. Aber relativ schnell hat es sich deutlich gebessert und so manche Wortwitze haben mich zum Lachen gebracht. Die Pressevorführung bei der ich teilgenommen habe war quasi eine Kinderveranstaltung – was nicht negativ gemeint ist. Die wenigen Erwachsenen (Kritiker) haben alle ihre Kinder sowie die Nachbarskinder mitgenommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Winnie Puuh hier und da mit gut durchdachten Wortwitzen vor allem Erwachsene zum Lachen bringen konnte. Die Kinder hatten meist an anderen Stellen ihren Spass. Positiv möchte ich anmerken, dass der Film nicht lange drum herum erzählt, sondern geradewegs zum Thema kommt. Daher ist der Film nicht unnötig in die Länge gezogen. Es gibt zwar immer einen Anlass für die Folgehandlung, aber diese ist nur auf das Minimum – und daher genau perfekt – beschränkt.

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Verantwortlich für die grandiose Story-Umsetzung ist die Geheimwaffe vom Disney-Team: Burny Mattinson. Ein Mann, der schon mit Walt Disney höchst persönlich zusammen gearbeitet hat und somit seit mehr als 50 Jahren bei den Walt Disney Animation Studios beschäftigt ist. „Wir nennen ihn den Puuh-Guru, denn er war der spirituelle Wegweiser durch diesen Prozess“, meint Regisseur Don Hall. 1953 begann Mattinson mit nur 18 Jahren seine Karriere in der Poststelle von Disney und war bereits sechs Monate später als Phasenzeichner bei „Susi und Strolch“ (1955) beschäftigt. Zehn Jahre später lernte er den kleinen Bären von geringem Verstand kennen. Im Laufe seiner Karriere hat er an heutigen Klassikern gearbeitet wie „101 Dalmatiner“ (1961), „Das Dschungelbuch“ (1967), „Bernhard und Bianca“ (1976), „Aladdin“ (1992), „Die Schöne und das Biest“ (1991) und „Der König der Löwen“ (1994). Neben der Co-Regie für „Basil, der Große Mäusedetektiv“ (1986) führte er bislang nur Regie am Film „Micky’s schönste Weihnachtsgeschichten“ (1983), bei dem er auch für den Oscar nominiert war.

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Wenn man einen Klassiker wie Winnie Puuh wieder auf die große Leinwand bringen möchte, dann fragt man sich automatisch, wie man einen etablierten Klassiker noch verbessern kann. Denn wenn man es schon nicht besser machen kann, dann wäre das gesamte Projekt für die Katz gewesen. Als John Lasseter die Idee – den Bären einem neuen Publikum vorzustellen – präsentierte, waren alle höchst begeistert. „Wir fanden die Idee toll, wieder einmal bei diesen heiß geliebten Figuren vorbeizuschauen, mit ihnen zu spielen, ihre Welt zu entdecken und sie den heutigen Zuschauern vorzustellen“, beteuert Stephen Anderson.
Der Trick um einen Klassiker zu verbessern bestehe darin, zeitgemäße Elemente in die Geschichte einfließen zu lassen, aber dennoch die Qualitäten des Originals nicht aus den Augen zu verlieren. Man kehre zu den Wurzeln zurück. „Die Welt, die Milne erschuf, ist zeitlos, und genau das wollten wir beibehalten. Wir versuchen nicht, unseren Figuren moderne technische Geräte zu verpassen. Wir wollten das Zeitlose erhalten – doch beim Humor fanden wir eine Verjüngungskur angebracht“, meint Don Hall.

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Siehe den zweiten Teil der Filmkritik.

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