Vor einigen Tage habe ich den Kurzfilm „Schnitzeljagd“ präsentiert, der in unserem Studio produziert wurde. Heute könnt Ihr hier wertvolle Hintergrundinformationen und Tipps direkt aus erster Hand ergattern. Die Macher Katrin Schnier, Rino Pelli (Vimeo, Behance) und Sonja Heinrich (Website) standen mir für ein kleines Interview zur Verfügung.


Wie seid Ihr auf die Idee zu diesem Kurzfilm gekommen?

Rino: Erst wollten wir eine Art unkonventionellen Märchenfilm mit Twist machen. Dafür hätten wir dann allerdings eine ganze Reihe an Sets und Figuren gebraucht. Sandra hat sich dann an den Kopf gefasst: „’nen Drachen wollen die da auch noch drin haben!“. Das wäre in der kurzen Zeit einfach nicht umzusetzen gewesen. Also haben wir das verworfen und uns vorgenommen, etwas simpleres zu machen.

Katrin: Ich hatte am Abend zuvor mit einer Freundin telefoniert und ihr davon erzählt. Die Idee der Pointe kam von ihr. Als wir dann alle zusammen saßen, hat uns diese Geschichte am besten gefallen.

Rino: Viele der ersten visuellen Ideen sind dann auch tatsächlich im Film gelandet. Als wir dann mit den Storyboards angefangen haben war schon klar, dass der Film am Anfang eher düster und unheilvoll daherkommen sollte, um das mit der Pointe dann ganz rumzureißen.


Mit welchen Problemen hattet Ihr bei der Produktion zu kämpfen?

Rino: Ein großes Problem war, dass sich Dinge im Bild bewegten, die sich gar nicht bewegen sollten! Wir hatten in unserem Wald-Set haufenweise kleine Schaumstoffstückchen, Kunststoffblätter und Ähnliches auf dem Boden verteilt, um einen glaubwürdigen Waldboden zu bekommen. Beim Animieren der Figuren kommt man da halt immer mal wieder gegen, egal wie vorsichtig man ist. In der fertigen Animation sieht es dann aus als würde ein Wirbelwind durch die Szene fegen. Wir hatten schon die ganzen Schnipsel vorbeugend einzeln auf dem Set festgeklebt, aber einige Stellen mussten wir dann trotzdem in der Postproduktion wegmaskieren.

Sonja: Es war ein sehr straffer Zeitplan mit drei Monaten für die komplette Produktion. Wir hatten nachdem wir einen Monat mit der Ideenfindung verbracht haben, nur noch einen Monat Zeit um alle Figuren und Kulissen anzufertigen. Danach noch einen knappen und stressigen Monat um alles zu Drehen und für die Postproduktion. Zu kämpfen hatten wir unter anderem mit Sören, der uns an einem Tag gegen unser Set stieß. Mitten im Dreh rutschte das Blätterdach nach unten und die Bäume wackelten – wir mussten mit einer sehr aufwändigen Szene noch einmal beginnen.

schnitzeljagd-interview-makingof-2_0

Rino: Und ursprünglich hatten wir zum Schluss das Reh auch noch lachend rauslaufen lassen. Bruno Bachem hat das Lachen vom Wolf aber so genial getroffen, dass alles, was wir danach für das Reh haben sprechen lassen, dagegen überhaupt nicht wirkte. Statt den Schlussgag noch zu verstärken, hat es ihn nur unterboten.
Am besten wirke es, als wir die letzten paar Sekunden einfach mal testweise abgezwackt hatten und so blieb es dann. Auch wenn das bedeutete, dass eine schwierige und auch recht gelungene Animation der Schere zum Opfer fiel.

prinz-ratte-premiere-postkarte

Wir hatten schon vor ein paar Wochen davon berichtet. Endlich ist es soweit. Der knapp 15 min. Kurzfilm „Prinz Ratte“, den wir in Koproduktion mit Albert Radl realisiert haben, ist fertig und feiert am Samstag, 30.04.2011 um 15 Uhr Premiere. Und zwar im Magazin Kino in Hamburg. Der Regisseur und Produzent Albert Radl, sowie ein Teil des Teams und TRIKK17 werden anwesend sein. Drei weitere Filme runden den Nachmittag ab und werden auch zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Diese sind zum einem „Olga“, ein 6 min. Kurzfilm, den wir mit dem Filmemacher Kai Pannen produziert haben. Dann werden wir unseren ersten „Rosalie & Trüffel“-Film vorführen. Das Langzeitprojekt „Flimmerndes Inferno“ von Sören Wendt und mir ist derzeit noch in der Vertonung, wird es aber auch rechtzeitig zur Premiere schaffen.

schnitzeljagd-trikk17

Im Rahmen eines Moduls der Animation-School-Hamburg in Kooperation mit TRIKK17 haben letztes Jahr Katrin Schnier, Rino Pelli und Sonja Heinrich an einem Filmprojekt in unserem Studio unter unserer Leitung gearbeitet. Das Ergebnis ist ein grandioser Stop Motion Kurzfilm über ein Reh, das von einem Wolf verfolgt wird. Musik und Sound stammt von Christian Seim.

Die Tage erwartet Euch in unserem Blog ein informatives Interview mit den Machern.

Kevin Deters und Stevie Wermers haben schon zurvor an dem überaus beliebten TV-Special „Elfen helfen – Bahn frei für Santa Claus“ (Prep & Landing, 2009) zusammengearbeitet und sich diesmal wieder zusammen getan für den Vorfilm zum neuen ‘Winnie Puuh’-Abenteuer: Die Ballade von Nessie (The Ballad of Nessie, 2011). Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit an einer Pressevorführung für den neuen Winnie Puuh Film teilzunehmen (siehe Filmkritik) und dabei ebenfalls den neuen Kurzfilm zu sehen. Als die Lichter ausgingen und die ersten Bilder auf der Filmleinwand zu sehen waren, dachte ich zuerst… Ich sei im falschen Film – ich wusste, dass ich es nicht war -, aber ich hatte mit der Vorführung des Winnie Puuh Filmes gerechnet und dann kam (vorerst) etwas anderes. Mir war bekannt, dass Disney an diesem Kurzfilm arbeite(te), da ich zuvor schon einiges darüber gelesen hatte. Aber ich habe nicht gerechnet neben dem Winnie Puuh Film auch die Gelegenheit zu haben „Die Ballade von Nessie“ zu sehen. Leider – wie es so üblich bei Kurzfilmen ist – war der Film schon zu Ende noch bevor sich meine Ünberraschung und Freude gelegt hat.

ballade-nessie-disney-2011-5

Der Film ist quasi eine Interpretation, wie es zu der Legende von dem Ungeheuer von Loch Ness kam… allerdings sehr kindgerecht erzählt. Auf sprachlicher Ebene ist „Die Ballade von Nessie“ sehr poetisch erzählt. Man versucht mittels von Reimen und verdichteter Sprache die Geschichte zu erzählen. Größtenteils verwendet man einfache und gebräuchliche Wörter, sodass auch Kinder dem Text folgen könnten. Mir persönlich fällt es meist aber dennoch ein wenig schwer poetischen Texten zu folgen – dies ist unter anderem auch ein Grund, warum ich trotz einer technisch guten Umsetzung meistens nicht viel mit Musikvideos anfangen kann. Aber der „Ballade von Nessie“ kann man sogar allein durch die Bildsprache folgen. Es ist keine innovative Geschichte – Was ist schon innovativ / neu? Aber es ist eine schöne Geschichte mit einer grandioser Animation, prächtigen Hintergründen und sympathischen Charakteren. Nessie und ihr bester Freund Quietscheentchen MacQuack werden aus ihrem Zuhause vertrieben, denn der Grundbesitzer MacFroogle plant ein Minigolf-Gelände zu bauen.

Angelina und Brad können sich warm anziehen. Jetzt erobert ein neues Liebespaar die Leinwand: Rosalie und Trüffel! Für ihr erstes Filmabenteuer wagten sich die beiden Rüsselküsser (bekannt aus unseren gleichnamigen Büchern) direkt auf sehr gefährliches Terrain: die Titanic…

Für das Setbau- und das Kamerateam von TRIKK17 in Kooperation mit WunderWerk war es eine Herausforderung: Romantik – Dramatik – Liebe – Leidenschaft – und das in aller Kürze.
40 Sekunden standen uns zur Verfügung! Aber die haben’s jetzt auch in sich: Wie ihr hier seht, kann wahre Liebe zwar keine (Eis)Berge versetzen, aber alle Herzen zum Schmelzen bringen…

Soll’s bald weitergehen mit Rosalie und Trüffel?
Dann schreibt uns eure Meinung und sendet den Trailer in die weite-weite Welt hinaus!

disney-andreas-deja Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden hat mit dem legendären deutsch-US-amerikanischen Trickfilmzeichner ein Interview geführt. Im Alter von 10 Jahren schrieb Deja einen Brief an die Walt Disney Company und erhielt Informationen zur Ausbildung als Trickfilmzeichner. 15 Jahre später bewarb er sich nochmals, erhielt eine Einladung und ist seit dem bei den Disney Studios beschäftigt. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Arbeit am Kinofilm „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, bei dem er Roger Rabbit höchstpersönlich als Chefzeichner animiert hat. Später war er ebenfalls als Chefzeichner für die Bösewichte in modernen Disneyklassikern wie „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“ und „Der König der Löwen“ zuständig. Zuletzt hat er beim neuen Winnie Puuh Abenteuer dem Tigger das Leben eingehaucht (siehe auch: Filmkritik: Winnie Puuh). Hier das Interview…

Quelle: Fünf Filmfreunde

„Dreckmonster“ ist ein deutscher Kurzfilm von Maike Ramke und Christian Retzlaf, der an der ‘Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam Babelsberg’ im Jahre 2007 produziert wurde. Habt Ihr Euch schon immer gefragt, wie Schmutz entsteht… wie Kaffeeränder auf den Tisch kommen, warum Flusen auf dem Boden liegen, Fettflecke am Herd. Nein, der Mensch hat damit nichts zu tun. ‘Dies ist das Werk genialer Gestaltungsprofis.’ Die Dreckmonster arbeiten im Auftrag der Putzmittelindustrie und produzieren eine Nachfrage nach Putzmitteln, sodass die Industrie immer neue Produkte auf den Markt bringen kann. Doch eines Tages werden sie von einer Dreck(s)maschine ersetzt. Stehen die Dreckmonster vor der Arbeitslosigkeit?

Für zwei Wochen wurde die TRIKK17 Werkstatt in eine Schiffswerft verwandelt. Und es sollte nicht irgendein Schiff gebaut werden, sondern die legendäre Titanic. Oder zumindest Teile davon. Unter der professionellen Anleitung der beiden Setbauerinnen Sana Schönle und Brigitte Wittenburg bekam ich zum ersten Mal Einblick in den Bau einer Puppentrickfilmkulisse.

rosalie-truffle-trikk17-1

Wir fingen mit dem grössten Set an, der Seitenansicht des Schiffes:
Nachdem wir ein stabiles Gerüst aus Holzlatten konstruiert hatten, verkleideten wir es mit Styrodurplatten, befestigten die Reeling und zwei Reihen Bullaugen daran, ritzten Planken in den Boden und bemalten das Ganze mit Acrylfarbe. Hinter der Wand befestigten wir Schienen, auf denen die Gäste des Luxusdampfers tanzend an den Bullaugen vorbeigeschoben werden konnten. Sana und Brigitte zeigten mir eine Menge Tricks. Zum Beispiel wie man aus Tropfen vom Heisskleber Nieten für die Fenster macht, wie man Effekte erzeugt beim malen mit Pinsel und Farbe und wie man mit dem Tacker stabile Holzverbindungen hinkriegt. Überhaupt habe ich viel über Materialien gelernt, wie man sie verarbeitet oder bearbeitet und welcher Leim was anfrisst oder auflöst.

Parallel zur Seitenansicht entstand das zweite Set, das Heck des Schiffes. Bedeutend kleiner als das Erste, dafür mit einer grossen Konstruktion verbunden. Diese ermöglichte es, das ganze Set in kleinen Schritten zu kippen. So konnte sich die  Titanic bedrohlich neigen, nachdem sie mit dem Eisberg zusammengestoßen war. Um das Gewicht möglichst gering zu halten, verwendeten wir nur wenig Holz für das Grundgerüst. Das Heck an sich bestand vor allem aus Styrodur, war innen hohl und wurde in erster Linie von Bauschaum zusammengehalten. Äußerlich bekam es die selbe Behandlung wie die Seitenansicht: geritzte Planken auf dem Boden, eine Reeling aus Rundhölzchen und Depafit, alles mit einer dicken Schicht Acrylfarbe angemalt.

rosalie-truffle-trikk17-5

Das kleinste Set bestand aus Meer, Eisbergen und einer Mini-Titanic. Sana schnitzte die Eisberge und das Schiff aus Depafit und baute winzige Lämpchen in den Rumpf, so dass sich die Lichter festlich auf der Wasseroberfläche spiegeln konnten. Dieses kleine Set stand auf Stelzen, so dass die Titanic durch ein Loch untergehen konnte ohne zerstört zu werden.

Hin und wieder brachte Puppenbauer Martin Molke die Figuren zu den Sets. So konnte wir kleine Anpassungen vornehmen. Die Bullaugen etwas kleiner, die Farbe eine Spur dunkler, etwas weniger Textur… Für die Hintergrundbilder der Sets war Christian Manzke zuständig. Schicht für Schicht trug er Farbe auf, bis ein romantischer Sonnenaufgang oder ein Sternenhimmel entstand.

rosalie-truffle-trikk17-3

Am Ende der zwei Wochen wurden die einzelnen Sets im Studio mit Tüchern voneinander abgeschirmt, die Hintergrundbilder wurden montiert und das Licht eingerichtet. Der erste Drehtag war dann sozusagen der Stapellauf. Und anders als die echte Titanic haben die Sets die „Jungfernfahrt“ unbeschadet überstanden.

portrait-anna Erzähl uns ein wenig über dich bzw. über dein Leben? Was hast du früher gemacht und was machst du zurzeit?

Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen. 2006 habe ich angefangen Animationsfilm an der „Hochschule Luzern – Design & Kunst“ zu studieren. Mein Schwerpunkt war von Anfang an der Zeichentrickfilm. 2010 habe ich mein Studium abgeschlossen und bin kurz danach nach Hamburg gekommen. Seit Februar bin ich Praktikantin bei TRIKK17.

Auf deiner Website sind einige der Kurzfilme, die du während deines Studiums angefertigt hast, zu sehen. Schnell fällt auf, dass dein Stil in eine bestimmte Richtung geht, sodass deine Filme einzigartig wirken. Willst du diesem Stil treu bleiben oder feilst du noch daran? Warst du während deines Studiums in der Lage vieles auszuprobieren?

Wir wurden nicht in erster Linie auf die Arbeit in einem Animationsfilmstudio vorbereitet. Die Ausbildung war vor allem auf Autorenfilme ausgelegt. Wir sollten lernen, unseren eigenen Stil zu entwickeln, sowohl auf visueller als auch dramaturgischer Ebene.
Meine Klasse umfasste nur sechs Studenten/-innen und die Abteilung war im Allgemeinen sehr klein. Wir hatten also sehr viel persönliche Unterstützung von Seiten der Dozenten. Mein Stil wird sich zweifellos weiterentwickeln und verändern, solange ich beobachte und zeichne. Zum Glück habe ich den Stift noch nicht komplett unter Kontrolle.

Wer sind deine Lieblings-Künstler der Branche bzw. hast du Vorbilder?

Natürlich bewundere ich Tim Burton und Hayao Miyazaki, aber eigentlich waren mir Comiczeichner immer näher. Ich bin eher mit „Spirou und Fantasio“ als mit Mickey Mouse aufgewachsen und die französische BD ist auch heute noch der stärkste Orientierungspunkt für mich. Der Trickfilm, der mich am meisten geprägt hat, ist „Son of Satan“ von JJ Villard. Eine Geschichte von Charles Bukowski, die Villard als Semesterarbeit am CalArts verfilmt hat.

Gibt es etwas, was du gelernt hast, dass du anderen Künstlern und/oder Interessenten der Branche mit auf dem Weg geben möchtest?

Vielleicht, dass die Welt groß ist und dass es sich lohnt, sich ab und zu mit anderen Dingen zu beschäftigen als nur mit Trickfilmen. Wir neigen dazu, uns in einem Mini-Kosmos zu verkriechen und werden dadurch zu einseitigen und bisweilen langweiligen Nerds.


Solltet Ihr weitere Fragen an Anna Nuic haben, so steht sie Euch in den Kommentaren zur Verfügung. Besucht auch Annas Website.


Dies ist die Fortsetzung vom ersten Teil der Filmkritik


Zudem führten die Regisseure den alt bekannten Buch-Erzählstil wieder ein. Es gibt einen Erzähler, der rege mit den Figuren interagiert und die Geschichte teils wie aus einem Buch vorlese. In der TV-Serie sowie in den darauffolgenden TV- sowie Direct-To-Video-Produktionen hatte man darauf verzichtet. Des Weiteren ist die Musik ein zentraler Bestandteil des Films. Ich gehöre sowieso zu den wenigen, die schon immer den Gesang in den Disney-Filmen liebten. In diesem Fall hat der Gesang nicht nur unterhaltende Wirkung, sondern unterstützt beim Erzählen der Geschichte. Es gibt nicht wirklich herausragende Songs, aber in jedem Fall sind diese sehr gut sowie passend in den Film integriert. Vieles ist beim Alten geblieben. Das Charakter-Design hat sich meines Wissens nach auch nur im geringem Maße verändert. Christopher Robin wirkt ein wenig moderner und hat nicht mehr so intensive Punktaugen.

WINNIE THE POOH,WINNIE THE POOH

Eigentlich sind die Charaktere sehr stereotypisch aufgebaut und verkörpern bestimmte Grundeigenschaften:
- Ferkel ist die Furcht
- Eule verkörpert Ego
- Rabbit steht für Kontrolle
- Puuh ist die reine Unschuld
- I-Aah ist Pessimismus

winnie-the-pooh-5-5

Dies ist aber keinesfalls negativ gemeint, denn dadurch weiß der Zuschauer genau, woran er ist. Es ist nicht die (Un-)Vorhersehbarkeit, was die „Winnie Puuh“-Filme ausmache, sondern die liebevolle und dennoch interessante Umsetzung. Am meisten fasziniert mich das Verhältnis zwischen Winnie Puuh und seinem besten Freund Christopher Robin. Bei der Naivität Puuhs ist es nur all zu schwer noch naiver sein zu können. Jim Cummings (engl. Stimme von Puuh) meint: „Ich denke, Puuh betrachtet die Welt durch eine honigfarbene Brille“. Christopher Robin ist der einzige Mensch im Hundertmorgenwald und den Waldtieren in Sachen Intelligenz weit überlegen, obwohl man ihn auch nicht als sonderlich klug bezeichnen würde. Trotz seiner Überlegenheit ist er niemals hochnäsig. Man hört häufig von ihm den Ausspruch „dummer alter Bär!“, aber das ist nicht böse gemeint. Christopher Robin ist ein sehr guter Freund und man sieht ihm an, dass er an keinem Ort eher wäre als dem Hundertmorgenwald.

winnie-the-pooh-6

Teils sind im Film auch leicht gruselige Elemente vorhanden… Die Rede vom grauenvollen Monster Balzrück! Aber bevor man befürchtet, dass der „Winnie Puuh“-Film die eigenen Kinder dazu anregt, nachts zu einem ins Bett zu krabbeln, möchte ich folgendes anmerken. Als Zuschauer weiß man bereits von Anfang an, dass es sich hier nur um ein Missverständnis handelt. Es gibt anscheinend kein Monster! Und zudem beginnt die Geschichte wie man es aus den alten „Winnie Puuh“-Filmen auch kennt im realen Zimmer von Christopher Robin. Die Zuschauer sehen, dass es sich hierbei nur um Plüschtiere handelt und sich alles in der Fantasie von Christopher Robin abspielt. Später sieht man im Übrigen einige Andeutungen auf den Plüschtier-Charakter. Neben den leichten Andeutungen am Körper der Tiere, reißen auch hier und da die Nähte sowie Fäden.

winnie-the-pooh-7

Erwähnenswert sind vor allem die wunderschönen Hintergründe und die saubere Animation. Ich mag es zwar nicht, wenn gute Animation auf Kosten der Story geht, aber dies ist hier in keinem Fall gegeben. Die Animation bringt Spass. Es ist immer lustig anzusehen, wie die Charaktere tollpatschig von einem Loch ins andere fallen. Apropos Loch… Disney hat kürzlich einen kurzen Promotion-Clip veröffentlicht, indem unsere Helden in einem tiefen Loch gefangen sind. Drei Mal darf man raten, was in dieser Szene nicht stimmt. Puuh, Rabbit, I-Aah, Känga, Ruh und Eule sind in einem Loch gefangen und können sich nicht selbst helfen!

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit Puuhs neuem Abenteuer. Es ist ein kindertauglicher Film, wobei es nicht ausschließlich ein Kinderfilm ist. Es ist eher ein Familienfilm… ein Abenteuer für die ganze Familie. „Wir versuchen, mit unseren Filmen immer die ganze Familie anzusprechen – also eine Geschichte zu erzählen, die die Kinder begeistert, die Teenager unterhält und die Eltern zum Lachen bringt“, meint John Lasseter. Leider gibt es nicht viel, was besonders heraussticht. Der Film ist bis auf den leicht schwachen Anfang konstant unterhaltsam und sehr liebevoll umgesetzt. Ich wünschen allen viel Spass beim Film; der deutsche Kinostart ist am 14. April 2011.

Zur Umsetzung der bekannten  Charaktere „Rosalie und Trüffel“, haben sich die Produktionsfirmen TRIKK17 und WunderWerk mit der Autorin Katja Reider und der Illustratorin Jutta Bücker zusammengetan und ihren Schweinen den roten Teppich ausgerollt. Rosalie und Trüffel demnächst als Filmstars?
Dazu die Regisseurin Sandra Schießl:

Die ersten animierten Sekunden mit brand-neu gebauten Figuren sind immer etwas Besonderes. Jede Geste, jeder Blick ist auf dem Prüfstein. Aber diese Beiden haben es mir mit ihrem Charme sehr leicht gemacht, ihr Wesen zu erspüren und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, die verliebten Rüsselnasen in Filmstars zu verwandeln.

rosalie-truffle-trikk17-4

Vielen Dank an unser tolles Figuren- und Setbauteam, denen ist es sehr überzeugend gelungen Juttas wundervollen zweidimensionalen Umgang mit Farben und Kontrasten in unsere dreidimensionale Modellbauwelt zu übersetzen. Vielen Dank auch an die Licht-, Musik, Geräusche-, Effekte-Crew (ihr seid großartig!) und natürlich an Jutta Bücker und Katja Reider für die konstruktive Kritik!

Gemeinsam haben wir in 40 Sekunden die Geschichte der Titanic umgeschrieben… platsch! In ein paar Tagen erwartet Euch hier noch ein Making-of.

Als langjähriger Puuh-Fan hat es mich umso mehr gefreut als die Produktion eines weiteren „Winnie Puuh“-Kinofilms angekündigt wurde. Die Walt Disney Animation Studios präsentieren hiermit den ersten Kinoauftritt von Winnie Puuh seit 1977. Damals wurden die ersten drei Kurzfilme zu einem abendfüllenden Kinofilm zusammengeschnitten. Das Regieduo Stephen Anderson und Don Hall inszenierten das neue Abenteuer, um Kindern heutiger Zeit den kleinen Bären von geringem Verstand näher zu bringen. Der Kinostart ist für den 14. April 2011 vorgesehen. Sowohl Anderson als auch Hall haben bereits seit vielen Jahren Erfahrung in dem Medium gesammelt. Stephen Anderson führte Regie bei „Triff die Robinsons“ (2007) und hat als Mitglied der Storyabteilung bei Filmen wie „Ein Königreich für ein Lama“ (2000) und „Bärenbrüder“ (2003) mitgewirkt. Don Hall arbeitet schon seit 1995 bei Walt Disney Animation Studios. Angefangen hat er als Story-Trainee und hat sich hoch gearbeitet bis er zuletzt die Storyentwicklung bei „Küss den Frosch“ (2009) leitete.

winnie-the-pooh-2

Geboren ist Winnie Puuh 1926 als  A. A. Milne die ersten Geschichten über ihn schrieb. Doch Laufen gelernt hat Puuh erst 1966 bei den Disney Studios. Nach den wenigen produzierten Kurzfilmen startete Disney 1988 mit der Produktion einer TV-Serie. Der Erfolg der Serie führte zur Entwicklung zahlreicher Direct-To-Video- und TV-Filmen. Eine 87 Folgen umfassende Serie wie von 1988-1991 habe ich leider noch nicht vollständig gesehen. Aber die darauf folgenden Filme habe ich nur all zu gerne gesehen. Besonders hervorheben möchte ich dabei den DTV-Film „Winnie Puuh auf großer Reise“ von 1997. Winnie Puuhs neues Kinoabenteuer und der Film von 1997 basieren nämlich auf der gleichen Idee. Das Verschwinden von Christopher Robin, die Missinterpretation von Eule und die darauffolgende Suche nach dem Jungen. Die eigentliche Umsetzungen sowie die Storydetails weichen allerdings in beiden Fällen erheblich voneinander ab.

Puuh erwacht völlig ausgehungert in seinem Häuschen im Hundertmorgenwald und muss feststellen, dass ihm sein Honig ausgegangen ist. Schnell macht er sich auf die Suche nach Honig, doch wird er abgelenkt durch einen Wettbewerb bei dem es um die Suche nach einem Schwanz für I-Aah geht. Daraufhin entdeckt Puuh eine geheimnisvolle Nachricht von bzw. um Christopher Robin. Als Eule die Nachricht falsch interpretiert, steht für alle fest. Christopher Robin wurde vom grauenvollsten aller grauenvollen Monster entführt: Dem Balzrück!

winnie-the-pooh-2-5

Grundsätzlich war Puuhs neues Abenteuer sehr unterhaltsam. Der Anfang lief ein wenig schleppend, da manche Gags nicht funktioniert haben und mich dacher nur müde zum Lächeln gebracht haben. Aber relativ schnell hat es sich deutlich gebessert und so manche Wortwitze haben mich zum Lachen gebracht. Die Pressevorführung bei der ich teilgenommen habe war quasi eine Kinderveranstaltung – was nicht negativ gemeint ist. Die wenigen Erwachsenen (Kritiker) haben alle ihre Kinder sowie die Nachbarskinder mitgenommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Winnie Puuh hier und da mit gut durchdachten Wortwitzen vor allem Erwachsene zum Lachen bringen konnte. Die Kinder hatten meist an anderen Stellen ihren Spass. Positiv möchte ich anmerken, dass der Film nicht lange drum herum erzählt, sondern geradewegs zum Thema kommt. Daher ist der Film nicht unnötig in die Länge gezogen. Es gibt zwar immer einen Anlass für die Folgehandlung, aber diese ist nur auf das Minimum – und daher genau perfekt – beschränkt.

WINNIE THE POOH

Verantwortlich für die grandiose Story-Umsetzung ist die Geheimwaffe vom Disney-Team: Burny Mattinson. Ein Mann, der schon mit Walt Disney höchst persönlich zusammen gearbeitet hat und somit seit mehr als 50 Jahren bei den Walt Disney Animation Studios beschäftigt ist. „Wir nennen ihn den Puuh-Guru, denn er war der spirituelle Wegweiser durch diesen Prozess“, meint Regisseur Don Hall. 1953 begann Mattinson mit nur 18 Jahren seine Karriere in der Poststelle von Disney und war bereits sechs Monate später als Phasenzeichner bei „Susi und Strolch“ (1955) beschäftigt. Zehn Jahre später lernte er den kleinen Bären von geringem Verstand kennen. Im Laufe seiner Karriere hat er an heutigen Klassikern gearbeitet wie „101 Dalmatiner“ (1961), „Das Dschungelbuch“ (1967), „Bernhard und Bianca“ (1976), „Aladdin“ (1992), „Die Schöne und das Biest“ (1991) und „Der König der Löwen“ (1994). Neben der Co-Regie für „Basil, der Große Mäusedetektiv“ (1986) führte er bislang nur Regie am Film „Micky’s schönste Weihnachtsgeschichten“ (1983), bei dem er auch für den Oscar nominiert war.

winnie-the-pooh-3-5

Wenn man einen Klassiker wie Winnie Puuh wieder auf die große Leinwand bringen möchte, dann fragt man sich automatisch, wie man einen etablierten Klassiker noch verbessern kann. Denn wenn man es schon nicht besser machen kann, dann wäre das gesamte Projekt für die Katz gewesen. Als John Lasseter die Idee – den Bären einem neuen Publikum vorzustellen – präsentierte, waren alle höchst begeistert. „Wir fanden die Idee toll, wieder einmal bei diesen heiß geliebten Figuren vorbeizuschauen, mit ihnen zu spielen, ihre Welt zu entdecken und sie den heutigen Zuschauern vorzustellen“, beteuert Stephen Anderson.
Der Trick um einen Klassiker zu verbessern bestehe darin, zeitgemäße Elemente in die Geschichte einfließen zu lassen, aber dennoch die Qualitäten des Originals nicht aus den Augen zu verlieren. Man kehre zu den Wurzeln zurück. „Die Welt, die Milne erschuf, ist zeitlos, und genau das wollten wir beibehalten. Wir versuchen nicht, unseren Figuren moderne technische Geräte zu verpassen. Wir wollten das Zeitlose erhalten – doch beim Humor fanden wir eine Verjüngungskur angebracht“, meint Don Hall.

winnie-the-pooh-4


Siehe den zweiten Teil der Filmkritik.

|