Archive für Interview

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Heute ist es soweit… der weltweit begehrteste Filmpreis wird diese Nacht ab 2:00 Uhr (UTC+01:00) verliehen. „Toy Story 3“ ist sowohl in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ als auch „Bester Film“ nominiert und wird unter Kritikern im Allgemeinem hoch gehandelt. Wird Regisseur Lee Unkrich der Erste sein, der den Oscar-Hauptpreis für einen Animationsfilm abstauben darf?

Aber auch die Filme der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ brauchen sich nicht zu verstecken. Im deutschen Raum dürften wohl zwei Filme am bekanntesten sein. Der „Toy Story 3“-Vorfilm „Day & Night“ und der von zwei Deutschen (Max Lang, Jakob Schuh) produzierte Kurzfilm „Der Grüffelo“. Heiligabend lief der vom BBC in Auftrag gegebene Film im deutschen TV. Hergestellt wurde „Der Grüffelo“ von Magic Light Pictures (produzierendes Studio) sowie Studio Soi (ausführendes Studio).

Am Film haben großartige Persönlichkeiten wie Alexander Lindner gearbeitet. Er war zehn Jahre bei Rothkirch/Cartoon-Film beschäftigt und hat dabei zahlreiche Positionen wie Art Direction, Assistant Direction, Design, Storyboard, Layout etc. belegt. Bei „Lauras Stern (2004)“ hat er sogar am Skript mitgewirkt. Noch kurz vor der Oscar-Verleihung konnte ich mit ihm sprechen und mehr über die Hintergründe seiner Arbeit bei „Der Grüffelo“ in Erfahrung bringen.

Er ist auf ungewöhnlichem Wege zu der Arbeit gekommen. Und zwar wollte er etwas Neues ausprobieren und war dabei Matte Painting zu lernen. Über Facebook wurde er dann von Harald Siepermann (Character Designer bei vielen Disney Produktionen) auf die Stelle bei Studio Soi aufmerksam gemacht. Daraufhin haben die Leute von Studio Soi auf seinem Blog einige wundervolle Wald-Bilder, die Alexander 2007 für ein Computerspiel hergestellt hatte, entdeckt und waren überzeugt: Er ist der Mann für die Gruffalo-Matte-Paintings!

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Unglaublich am Projekt war die Idee den Wald als Modell zu bauen (siehe Making-Of) und die Charaktere später am Computer zu animieren. Als Art Director zahlreicher Projekte weiß Alexander ganz genau, wie schwer es ist Vegetation (bzw. Planzen) in CGI zu designen und zu animieren. Von weitem sieht es noch in Ordnung aus, aber bei Close-Ups sieht die Welt schon wieder anders aus. Wahrscheinlich steckt hinter dieser Entscheidung – den Wald als Modell zu bauen – nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine technische Komponente.

Er ist immer überzeugt gewesen, dass die Verfilmung des Grüffelos eine gute Idee war, aber niemals hätte er mit einer Oscar-Nominierung gerechnet:

„Ich wusste, dass der Gruffalo ein guter Film werden würde. Studio Soi ist auf grafischer und konzeptioneller Ebene sehr mutig. Das sieht man schon bei den anderen Filmen, die sie gemacht haben. Ich wusste, es werden Leute auf den Gruffalo aufmerksam, es wird darüber gesprochen werden!“

Sehr schön sind auch die Matte Paintings, die man in seinem Blog bewundern kann. Folgt ihm unter anderem auch auf Twitter und werdet Fan auf Facebook. Heute Nacht drücke ich Alexander Lindner und den Leuten von Studio Soi beide Daumen.
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soerenWendt Erzähl uns ein wenig über dich bzw. über dein Leben? Was hast du früher gemacht, was machst du bei TRIKK17? Was hat dir dabei geholfen, der zu werden, der du bist?

  • Sören: Vom Elektriker zum Trickfilmregisseur könnte man meinen Werdegang überschreiben. Als Jugendlicher kam für mich nur ein handwerklicher Beruf in frage. Nach der erfolgreichen Ausbildung zum Elektromechaniker und einem Jahr beruflicher Praxis stand fest – das war es noch nicht, was ich suchte. Über ein anschließendes Studium zum Foto/Filmdesigner fand ich schließlich meine Erfüllung im Trickfilm. Bilder gestalten, Geschichten erzählen und Welten erfinden – zwischen diesen Polen fühle ich mich seit langem zu Hause.


Aus welchen Gründen bist du in der Trickfilm-Branche tätig geworden? Gab es spezielle Schlüsselereignisse in deinem Leben? Wolltest du das vielleicht schon als Kind immer mal werden?

  • Sören: Es ist allgemein bekannt, dass die prägenden Jahre in der Kindheit liegen. Ich stand als Kind oft mit meinem Vater in der Werkstatt und habe gesägt und gebastelt, daher kommt der Handwerker in mir. Den einzigen Einser im Schulzeugnis hatte ich immer in Kunst, was damals aber niemanden beeindruckt hat. Meine erste Super-8 Ausrüstung kaufte ich mit 14 Jahren (vom Konfirmationsgeld). Damit habe ich Legosteine und Schlümpfe in Szene gesetzt und animiert. Daran habe ich mich erst viel später während des Studiums wieder zurückerinnert als ich im Keller der FH den Tricktisch entdeckte. Dieser strahlte eine seltsame Anziehungskraft aus …


Wer sind deine Lieblings-Künstler der Branche?

  • Sören: Aki Kaurismäki, Emir Kusturica, Pedro Almdóvar, die Cohen Brüder und Wes Anderson. Kommen jetzt nicht alle aus der Branche, aber die sind´s.


Gibt es etwas, was du in all den Jahren gelernt hast, dass du anderen Künstlern und Interessenten der Animationsbranche mit auf dem Weg geben möchtest?

  • Sören: Ich lerne fast täglich Neues. Die Animationsbranche ist ein weites Feld auf dem es viel zu entdecken gibt und auf dem viel passiert. Wenn ich jetzt mit Tipps komme, die vor Jahren noch Gold waren, sind sie heute vielleicht nichts mehr Wert. Daher kann ich nur raten, immer offen für Neues zu bleiben und sich selbst dabei treu zu bleiben.


Solltet Ihr weitere Fragen an Sören Wendt haben, so steht er Euch in den Kommentaren zur Verfügung.

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Profil Björn Magsig Erzähl uns ein wenig über dich bzw. über dein Leben? Was hast du früher gemacht, was machst du bei TRIKK17? Was hat dir dabei geholfen, der zu werden, der du bist?

  • Björn: Ich bin 38 Jahre alt, Vater von 8-jährigen Zwillingen und einer von 4 Geschäftsführern bei TRIKK17. Neben den alltäglichen Dingen des Geschäftsführers sind meine Aufgaben bei TRIKK17 die Herstellungsleitung, Akquise und die Regie, vor allem von Werbespots.
  • Geholfen haben mir dabei einmal meine Eltern, die mich moralisch, sowie in den Anfängen auch finanziell unterstützt haben. Denn aus dem Nichts eine eigene Filmproduktion aufzubauen ist eine schwierige Aufgabe, bei der man viel Arbeit hat und Zeit braucht, allerdings erstmal nicht wirklich Geld verdient. Dann braucht man viel Geduld, Hartnäckigkeit und muss immer wieder aufstehen können und an sich glauben. Ein Hang zur Selbstausbeutung und der Idealismus, unbedingt dies tun zu wollen sind für mich die entscheidendsten Eigenschaften in diesem Business. Die wichtigsten Menschen auf dem geschäftlichen Weg waren sicherlich meine drei Geschäftspartner, mit denen ich das Studio 2001 gegründet habe. Dabei ist das sehr enge persönliche Verhältnis, welches wir seit Anfang an pflegen, durch das wir zusammen durch dick und dünn gehen, einer der Gründe, warum es TRIKK17 seit 10 Jahren gibt. Sich kreativ und bei geschäftlichen Entscheidungen austauschen zu können, sich auf einander verlassen zu können, ist mir enorm wichtig.


Aus welchen Gründen bist du in der Trickfilm-Branche tätig geworden? Gab es spezielle Schlüsselereignisse in deinem Leben? Wolltest du das vielleicht schon als Kind immer mal werden?

  • Björn: Ich bin eher zufällig in der Animationsbranche gelandet, wobei besonders Puppentrick schon immer eine große Faszination auf mich ausgeübt hat. Ich habe Medientechnik an der HAW in Hamburg studiert, bin also eigentlich Diplomingenieur, habe dann aber ein Praktikum in einer Trickfilmproduktion gemacht, die auf Stop-Motion spezialisiert war. Dort fiel eine Animatorin aus und ich versuchte mein Glück. Ich merkte, daß es mir viel Spass machte und ich ein gewisses Maß an Talent und Geduld dafür hatte. Also habe ich von dem Tag an für die Firma zwei Jahre lang während meines Studiums animiert und bin sozusagen in dem Bereich hängen geblieben.


Wer sind deine Lieblings-Künstler der Branche?

  • Björn: Einen wirklichen Lieblingskünstler habe ich eigentlich nicht. Mich beeindrucken vor allem bestimmte Filme im Gesamten. Wenn ich jetzt mal nur im Bereich Stop-Motion gucke, haben mich vor allem die „Wallace an Gromit” Filme von Nick Park (Aardman) und „Fantastic Mr. Fox” von Wes Anderson nachhaltig beeindruckt. Technisch und filmisch bin ich auch ein Tim Burton Fan, wobei mir in seinen Filmen immer zu viel gesungen wird… Ein Vorbild sind auf jeden Fall die Aardman-Studios in Bristol, die es schaffen, Serien, Kinofilme und Werbespots auf durchweg höchstem technischen, inhaltlichen und künstlerischen Niveau zu produzieren und damit internationelen Erfolg zu haben.


Gibt es etwas, was du in all den Jahren gelernt hast, dass du anderen Künstlern und Interessenten der Animationsbranche mit auf dem Weg geben möchtest?

  • Björn: Ich habe es eigentlich in der ersten Antwort schon gesagt. Wer wirklich in dieser Branche sein Brot verdienen möchte, sollte folgende Eigenschaften mitbringen: Etwas Talent, viel Idealismus, Geduld, Hartnäckigkeit, Flexibilität und einen starken Willen, der sich nicht so schnell brechen lässt. Außerdem sollte man das Kind in einem Selbst erhalten und wirklich Spass an Animation haben.


Solltet Ihr weitere Fragen an Björn Magsig haben, so steht er Euch in den Kommentaren zur Verfügung.

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