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Dies ist der zweite Teil der ASH-Vorstellung bzw. des Interviews mit Manfred Behn. Siehe hier für den ersten Teil.


Der Bereich “Digital Animation” bzw. die Arbeit am Grafiktablett wird immer wichtiger. Vor allem da man fast das gleiche Ergebnis effektiver und somit schneller erreichen kann. Zu Anfang hatte Behn bedenken, da der Charme des Trickfilms verloren gehen könne. “Da war ich auch erst einmal ein wenig skeptisch und dachte, der ‘Look’ wäre in dem Fall ganz anders. Experten würden den Unterschied erkennen, aber ein Laie sieht kaum einen Unterschied. Doch selbst Experten sehen Unterschiede weniger, je besser die Beherrschung der Software ist”, meint Behn.

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Anfang der 90-ger Jahre sind viele Animationsstudios im deutschen Raum entstanden. Seitdem wird kontinuierlich mehr animiert. Allerdings – wie auch in vielen anderen westlichen Ländern – wird immer mehr Arbeit nach Asien verlagert. Der Beruf des Zwischenzeichners ist in Deutschland mehr oder weniger ausgestorben und auch im 3D/CGI-Segment werden ähnliche arbeitsintensiven Berufe ins Ausland verlagert. In den letzten 5-6 Jahren gab es keinen abendfüllenden Animationsfilm, der ausschließlich in Deutschland produziert wurde. Da sich viele Institutionen in Deutschland auf Zeichentrick spezialisiert hatten, hatte 3D/CGI zudem viele Anlaufschwierigkeiten. Die wohl typischste Frage – die im Rahmen von Interviews an Manfred Behn gestellt wird – ist, ob deutsche Animationsfilme jemals das Niveau eines ‘Ratatouille’ (Pixar) oder ähnlichen Hollywood-Produktionen erreichen können. Behn ist da eher skeptisch, weil die finanziellen Möglichkeiten hierzulande begrenzt bleiben – an Talent fehlt es auf jeden Fall nicht. Insbesondere 3D/CGI wird immer mehr nachgefragt. Denn Spezialisten dieser Bereiche können nicht nur bei der Produktion von Animationsfilmen mitwirken, sondern haben des Weiteren Berufsperspektiven im Game-Segment. Auch in der Produktion von Games wird ein filmisches Verständnis sowie Animation benötigt.

Viele deutsche Animationsfilme sind insbesondere auf den deutschen Markt zugeschnitten und weniger tauglich für das internationale Publikum. Zudem haben Erwachsenenformate es schwer in Deutschland. Kinderformate wie “Lauras Stern” oder “Der kleine Eisbär” sind dagegen Selbstgänger. Für Kinder oder Familienfilme gibt immer eine permanente Gemeinde bzw. eine Zielgruppe, die gepflegt werden will. “Ich würde mir wünschen, dass Originär-Stoffe für Trickfilme entwickelt werden. In den USA und Japan machen sie es,” hofft Behn. In Deutschland hat es bisher fast nur Produktionen gegeben, die entweder auf Comics oder Kinderbüchern basieren. Filme wie “Felidae” sind interessant. Der Animationsfilm von 1994 basiert zwar auch auf einem Buch, allerdings ist das Design eine komplette Eigenkreation. Leider war dieser Film an den deutschen Kinokassen nicht besonders erfolgreich und viele Studios haben die Produktion von Erwachsenenformaten wie Felidae als ‘zu riskant’ eingestuft. “Ich halte diese Konsequenz für nicht richtig, weil ich mir tausende Stoffe vorstellen könnte, die erst recht für Trickfilme geeignet wären”, argumentiert er. Man muss immer eine Probe machen. Kann man die Geschichte auch als Realfilm realisieren oder ist es nur als Animationsfilm möglich? Vor allem Tiergeschichten sind geeignet um animiert zu werden. “Ich finde, man müsste den riesigen Aufwand für Animation nicht betreiben, wenn man das gleiche Ergebnis auch mit einem Realfilm erreichen könnte”, fügt er hinzu.

Kursteilnehmer an der animation-school-hamburg sind auf der einen Seite berufserfahrene Experten eines ähnlichen Fachgebietes (Grafik Design, Illustration, Kommunikationsdesign) und auf der anderen Seite immer häufiger direkte Schulabgänger. “Beide Gruppen waren für uns immer gleich bedeutsam und nicht immer haben diejenigen mit beruflicher Vorerfahrung auch die besten Karrieren gehabt”, beteuert Behn. Er empfiehlt den Absolventen der ASH, das sich diese auf ihre Stärken konzentrieren und diese fördern. Es muss nicht jeder ein Animator werden. Zum Beispiel kann man auch als Illustrator beim Animationsfilm arbeiten. Doch die eigentlichen Animatoren sollten ein überdurchschnittliches Talent aufweisen, da – wie bereits erwähnt – große Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Als Animator in Deutschland hat man nur in Rahmen von Trailern, Probesequenzen oder Werbefilmen die Möglichkeit Szenen vollständig zu animieren. Im Übrigen wird Manfred Behn vermehrt von Studios angesprochen, ob er nicht einen Kurs zu Produktionsleitung anbieten könne. Es ist besonders schwer Talente zu finden, die sowohl künstlerisches Verständnis als auch wirtschaftlich-organisatorische Kenntnisse mitbringen. Alles in allem besteht Bedarf nach Experten bzw. Leuten, die sehr gute Kenntnisse in ihrem jeweiligen Fachgebiet wie Storytelling, Character Design, Background, Storyboard etc. besitzen. Die animation-school-hamburg bietet Qualifizierungen in diesen Bereichen und fördert insbesondere selbstständige Projektentwicklung. Carolin Reich hat im Abschlussjahr 2011 sogar einen Comic realisiert.

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animation-school-hamburg-logo Kürzlich hatte ich die Gelegenheit unseren Freunden in der animation-school-hamburg (ASH) einen Besuch abzustatten und ein Interview mit dem Leiter Manfred Behn zu führen. 1998 wurde das Projekt ASH von der Initiative des Bildungswerks für Medien initiiert. Behn hat allerdings das Projekt erst im Jahr 2000 übernommen, nachdem die vorherige Leiterin schwanger wurde. Er ist ausgebildeter Gymnasiallehrer für Deutsch sowie Englisch und abgesehen von den typischen Kindheitserinnerungen, hatte er zuvor wenig mit Animation zu tun gehabt. Ein filmisches Interesse hatte er aber schon immer. Dennoch beschäftigt er sich in seiner Freizeit eher mit Lesen als mit Film. Die Inhalte, Hintergrundinformationen sowie ansatzweise die daraus folgenden Interpretationen der folgenden zwei Beiträge sind mit Hilfe der Auskunftsbereitschaft von Manfred Behn entstanden. An dieser Stelle einen herzlichen Dank!

In den Anfängen der animation-school-hamburg wurden ausschließlich 2D/Zeichentrick-Kurse angeboten. Dies beruhte auf dem überaus großen Erfolg einiger deutscher Zeichentrickfilme aus den 90-ger Jahren. Allen voran die WERNER-Filme und auch andere Produktionen der Trickompany in Hamburg. Zwar wurden in der DDR hin und wieder einige Animationsfilme produziert, aber in der BRD gab es zwischen “Konferenz der Tiere” (1969) und “Werner – Beinhart!” (1990) eine riesige Lücke in der Produktion von abendfüllenden Animationsfilmen. Teilweise wurde diese Lücke mit amerikanischen Trickfilmen – meist Disney – gefüllt. In dieser Boom-Phase kam der Gedanke, dass Mitwirkende in der Produktion von Zeichentrickfilmen nicht immer Quereinsteiger zu sein haben oder eingekaufte Experten aus dem Ausland. Dies war die ‘Geburtsstunde’ der animation-school-hamburg. Die ASH war und ist ein Teil um den deutschen Markt im Bereich Animationsfilm voranzutreiben. 2007 weitete die ASH das Kurs-Angebot aus und bietet mittlerweile auch Qualifizierung im Segment 3D/CGI an. In diesem Rahmen wird seit 2009 auf der einen Seite ein 1-jähriger 2D/Zeichentrick-Kurs angeboten, der aus einer halbjährigen Einführungphase und einer halbjährigen praktischen Filmproduktionsphase besteht, und auf der anderen Seite 3-monatige 3D/CGI-Module mit wechselnden Themen. Sowohl für den 2D-Kurs als auch die 3D-Module stehen jeweils 10 Plätze zur Verfügung. Im Bereich 2D/Zeichentrick hat die animation-school-hamburg deutschlandweit schon längst ein hoch angesehenes Image aufgebaut. Aber im noch relativ jungen Zweig “3D/CGI” muss sich die ASH noch einen Namen machen.

manfred-behn-karikatur-animation-school-hamburg-2_0 Behn war es schon immer wichtig, dass den Kursteilnehmern sowohl im Laufe des Grundstudiums als auch während der Projektphase immer ein Ansprechpartner zur Verfügung steht. Daher zeichnet die ASH eine besonders hohe Betreuungsdichte von Dozenten aus. Unter den Dozenten befinden sich viele bekannte Namen, die bei renommierten Studios an großartigen Filmen gearbeitet haben. Ich verweise auf die Website der ASH.

“Anfangs macht man öfter den Fehler, dass man sich von Szenen nicht trennen kann. Man hat eine Szene schon so aufwendig hergestellt, es hat so lange gedauert und man will es nicht rausfallen lassen,” meint Behn. Bei dem Kurzfilm “Bo” (2005), ein mit dem ‘Hamburg Animation Award’ ausgezeichneter Film der animation-school-hamburg, sah es allerdings ein wenig anders aus. Der Film war ursprünglich 90 Sekunden länger und Sinem Sakaoglu (spätere Regisseurin des Sandmännchen-Films [2010]) war fest davon überzeugt, dass der Film gekürzt werden sollte. Der Kurzfilm musste nicht endlos in die Länge gezogen werden. Der Zuschauer hatte es verstanden und schlußendlich hat dies den Festival-Erfolg ausgemacht. Des Weiteren fügt Behn hinzu: “Timing ist sowieso ein zentrales Thema. Snowbody (Abschlussfilm 2004) ist in der Hinsicht perfekt. Dieser ist extrem gut getimed. Schon damals – als der Film zur Hälfte fertig war – hat Harald Siepermann (Dozent und Disney Character Designer) gesagt ‘Da hätte ich auch gerne mitgemacht!’”. Am Kurzfilm haben zwei erfahrene Illustratoren gearbeitet und das sieht man.


In den nächsten Tagen kommt der zweite Teil der ASH-Vorstellung bzw. des Interviews mit Manfred Behn. Die Karikatur stammt von Benjamin Strobel.

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